Die mechanische Beanspruchung durch das Klavierspiel, aber auch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsveränderung, wirken sich auf die Spannung der Saiten aus. Deshalb beginnt der Ton mit der Zeit zu schweben und wird unrein im Klang. Ihr Klavier sollte daher mindestens einmal jährlich gestimmt werden. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wir machen Ihnen ein Angebot, dass Sie nicht ausschlagen können.

Regulieren

Das Regulieren bedeutet, alle Funktionen des Instrumentes, nämlich Klaviatur, Pedal usw. neu aufeinander abzustimmen und so die Harmonie wieder herzustellen. Richtige Regulierung ist wichtig für alle Klaviere und Flügel.
Das Stimmen und Regulieren sollte nur vom Fachmann vorgenommen werden. Es ist eine Tätigkeit die sehr große Erfahrung voraussetzt. Lassen Sie Ihr Klavier, Ihren Flügel einmal im Jahr stimmen – es erhält den Wert Ihres Instrumentes!

 

Generalüberholung

 

I. Faszination: Intonation
Das „Geheimnis“ Intonation der Hammerköpfe, wird, den meisten Klavierbauern – Technikern – Stimmern ohnehin, wohl für immer ein solches bleiben, denn nur aus der Stille heraus, kann man gleichzeitig das optimale Klangspektrum eines Instruments, und die größtmögliche Ebenmäßigkeit des dynamischen Modulationsvermögens, langsam herausarbeiten.
Erst nach dem Einbau von mindestens 100 neuen Hammerkopfsätzen diverser Hersteller, in Klaviere und Flügel verschiedenster Art, d.h. aller Größen und Fabrikate – unter Berücksichtung der spezifischen Klangcharakteristiken, sowie der Möglichkeiten der jeweiligen Mechanik, in Abhängigkeit von der Tastengewichtung u.v.m. – kann man von einer wahrhaftigen Erfahrung auf diesem Gebiet ausgehen.
Das feine Gehör als wesentliches „Werkzeug“ bei dieser Arbeit sollte in einem möglichst großen Frequenzbereich – vor allem in den hohen Lagen so gut und gleichmäßig hören, wie z.B. das eines (kerngesunden) erfahrenen Pianisten in seinen besten Jahren.
Der Intoniervorgang erfolgt in 10 bis 20 Stufen, wobei der Hammerkopf – entsprechend seiner Festigkeit, der gewünschten Klangfarbe, Dichte und Lautstärke – an ganz unterschiedlichen Punkten zwei bis sechs Millimeter tief, (am besten) mit einer Nadel (max. zwei Nadeln gleichzeitig) eingestochen wird. Nach jeder Intonierstufe muss die Klaviatur des Flügels herrausgezogen werden, um entsprechend den Zeichen und Markierungen die Arbeit fortzuführen. Ein hochwertig, schlecht oder gar nicht intonierter Hammerkopfsatz bewirkt, nach einer erfolgreich beendeten Intonation, eine um so größere Klangoptimierung, je besser die akkustischen Möglichkeiten eines Instrumentes sind. Das Thema Hammerkopffilz, Holzarten und Formgebung ist sehr wesentlich, kann aber in dieser „Kurzdarstellung“ nicht erörtert werden.

II. Ideale Vorraussetzungen für einen Intonateur

Dieser sollte nebst großer Erfahrung, 80% seiner Arbeitszeit nicht mit dem Stimmen oder sonstigen Klavierreperaturen – wie z. Bsp. Besaiten, Holzreperaturen, Lackarbeiten, Metal- larbeiten u.v.m. – verbringen.
Die sehr speziellen Anforderungen, zum Erreichen optimaler Klanggestaltung durch Mechanikregulation und Hammerkopfintonation, benötigen eine intuitive Routine, deren nachhaltige Entwicklung sich oft erst nach über zehnjähriger Arbeit ergibt; infolge derer der Intonateur befähigt ist, sowohl den Klangcharakter als auch die Raumakustik, und nicht zuletzt die speziellen Vorstellungen des Kunden, als schlüssiges Gesamtergebnis, nach vielen Stunden höchster Konzentration, optimal umzusetzen. Allerdings sind diese, mit feinem Gehör ausgestatteten „Klangwerker“, heutzutage, bedauerlicherweise noch seltener geworden.

 

III. Werkzeuge

In einer optimal ausgestatteten Werkstatt sollte, für jeden Arbeitsgang und Handgriff, das bestmögliche Präzisionswerkzeug, möglichst mehrfach, vorhanden sein, damit die jeweils ideale Lösung auch für ältere Instrumente mit seltenen Mechaniken, leicht zu finden und eine gleichmäßige Regulierung erfolgen kann.

 

IV. Überholung

Auch bei neuen Instrumenten kann man äußerst zeitaufwändige „Überraschungen“ aller Art erleben. – Jede Überholung erfordert das Prüfen und Anziehen sämtlicher Mechanikschrauben (ca. 370 stk), das vorsichtige Abziehen der Hammerköpfe und deren Intonation, sowie das Einstellen des Abstandes (Steighöhe) von Hammerkopfscheitel bis zur Saite/Anschlagpunkt, und die oft mehrfache Regulierung von ca. 1500 (17×88) Parametern beim Klavier und ca. 2000 (23×88) Parametern beim Flügel; z.B. mittels Madenschrauben, Pilotenschrauben, Federn, diversen Drähten, „Löffeln“, Unterlegscheibchen und Klaviaturstiften.

 

V. Regulationsbeschreibung: „garniert“ mit  Anregungen für Klaviertechniker und -bauer.

Die Überholung eines jeden Instruments in meiner Werkstatt beinhaltet dieser „kurze“ Einblick, im Folgenden geschildert:

 

1. Das Gängigmachen der Tasten, mittels Klaviaturdruckzange und Reibaale, Reinigen der Führungsstifte, ggfs. Erneuerung der Kaschmir oder Ledergarnierung, sowie ggfs. Aufquellen/ Verfestigen mittels heißem Wasser und Leim des mittleren Tastenführungsloches.

 

2. Das Abziehen der Hammerköpfe, zur Eleminierung der zu tiefen Anschlagsrillen, erfolgt mit diversen Leinenschleifpapieren auf entsprechenden Holz- oder Hartgummihaltern (selbstgemacht), dabei ruhen die Hammerstiele auf einer absolut geraden, festgepolsterten Leiste. Danach werden die Hämmer vorsichtig gebügelt.

 

3. Am Ende folgt eine Klangprobe, unter Berücksichtigung und Neujustierung der Anschlagslinie im Diskant. Diese kann zusätzlich auch durch Erhitzen der Hammerstiele, währenddessen die Hämmer vorsichtig in die gewünschte Position gedrückt werden (vor oder zurück beim Flügel, auf oder ab beim Klavier), optimiert werden. Damit o.g. der Stiele näher, oder ferner gebracht werden, um die Brillianz (Obertönigkeit) zu erhöhen, und das Anschlagsklopfgeräusch, in der obersten Oktave, zu vermindern. Darüber hinaus ist es durch mehrfaches, vorsichtiges, auf langjähriger Erfahrung beruhendes Tränken der Hammerköpfe (mit Collodium und Äther in verschiedenen Mischungen) möglich, den gewünschten Klang individuell für das jeweilige Instrument wesentlich zu gestalten.

 

4. Nun wird die Achsgängigkeit der Hammerstiele nochmal genauestens einer Prüfung unterzogen. Lose Stiele wurden gleich nach dem Herausnehmen der Mechanik, nachdem diese gründlich mittels Kompressor gereinigt wurde – mit stärkeren Achsen versehen. Sind die Achsen zu fest, so müssen sie mindestens zweimal seitlich, abschnittsweise, z.B. mit CLP, Renolan oder sogar Alkohol mit einem feinen „Künstlerpinsel“ getränkt werden, damit der Hammer, seinem Eigengewicht entsprechend, schnell genug zurückfällt. Die Beurteilung dieses Vorgangs sollte erfahrenen Technikern überlassen werden, um gegebenenfalls zu entscheiden, ob darüber hinaus auch oxidierte Achsen erneuert werden müssen. Nicht zuletzt müssen auch alle Achsen des Hebeglieds auf ihre Gängigkeit überprüft und entsprechend behandelt werden.

 

5a. Beim „Tragendmachen“ ist zu beachten, dass die Hämmer sich möglichst gleichmässig parallel verhalten und den kürzesten Weg von Ruhestellung bis zum Auslösepunkt nehmen. Somit wird die einseitige Abnutzung der Achsgarnierung vermieden.

 

5b. Das auf Chor brennen der Stiele und unterkleben von Papierstreifen, unter die Hammerstielkapseln, geschieht im mehrfachen Wechsel mit dem „Tragendmachen“. Hierbei werden eventuelle herstellerbedingte Ungleichmäßigkeiten, die Saitenspatien betreffend, so ausgeglichen, dass der Anblick der Hämmer in Ruhestellung, den Betrachter durch einen guten Kompromiss befriedigen sollte.

 

6. Nun sollte das feine, exakt parallele Abziehen der Hammerköpfe mit nur leichtem Druck erfolgen.

 

7a. Beim Flügel erfolgt nun das Abklopfen des Waagebalkens und vorderen Klaviaturrahmens, sowie dessen Regulierung.

 

7b. Beim Klavier werden die Tastenrahmenschrauben angezogen und ggfs. die Höhe desselben mit Furnierabschnitten reguliert. Das Geradelegen der Klaviatur ist beim Flügel wesentlich aufwändiger, weil die Mechanik abgeschraubt wird und auf jeden Fänger am Tastenende ein Bleigewicht gesteckt werden muss, um das Gewicht von Hammerstiel und Hebeglied zu simulieren. Durch wiederholtes Unterlegen diverser Papierscheibchen unter das „Waagebalkenstiftkaschmirtastenpolster“ entsteht infolgedessen eine gerade Tastenlinie, am besten mit leichter Wölbung von 2mm – bei weißen und (12-13mm darüber) bei den schwarzen Tasten, die mit einem speziellen Lineal erreicht wird. Die Tasten müssen auch zueinander gleichmässig (auf Spatium) ausgerichtet werden (mittels Vorderstift) und ggfs. durch seitliches Drücken auf den Waagebalkenstift, die Oberkante begradigt werden. Zwischendurch müssen die Tasten mit entsprechenden Zulagen (und ggfs. Hebelwerk- zeugen), auf das Polster gepresst werden, um eine Langzeitregulierung zu gewährleisten. Die Tastenoberkante ist vorher genau festzulegen, um später keine Überraschungen beim Regulieren, (z.B. zu geringe Spieltiefe) sowie der Vorderansicht zu erleben (Abstand zur Tastenfrontleiste). Das seitliche Reinigen der weißen Tasten, darf nur mit Glasrein oder Spiritus und ggfs. mit feinster Stahlwolle erfolgen, um die Spatien nicht zu vergrössern, was leider oftmals schon von „fleißigen“ Klavierbauern, durch benutzen von Schleifpapier „erfolgreich“ geschehen ist.

8. Das eigentliche regulieren der Mechanik beginnt mit dem Festlegen des Steighöhenmaßes (Steigung), welches normaler- weise bei 45mm im Diskant, 46mm in der der Mittellage und 47mm im Bass liegt, entsprechend der unterschiedlichen Auslösung des Hammerkopfes vor den Saiten der jeweiligen Bereiche, d.h. 1-2-3mm, wenn ein optimales Pianissimospiel bei bester Repetition gewähr- leistet werden soll. Das Erzeugen von Lautstärke erfordert keine besondere Regulierung- Die Spieltiefe kann Instrumententypisch, oder auf Kundenwunsch von 9,5mm bis 10,5mm variieren und in seltenen Fällen sogar 11mm erreichen (dabei muss die Steigung entsprechend an- gepasst werden), um wenn möglich den „idealen“ Nachdruck von 1,5mm bei Flügeln und 2mm bei Klavieren zu realisieren.

9. Nach der Auslösung wird beim Flügel das Abnicken eingestellt: Die Maße hierfür sind Instrumentenabhängig, allerdings im Diskant idealerweise 1,5mm, in der Mitte 2mm und im Bass 2,5 oder sogar 3mm bei den 5 tiefsten Tönen, um das Einfangen der Hämmer auch beim Pianospiel zu erreichen, ohne die Repetierfederkraft derart zu reduzieren, dass eine gute Repetition im unteren Tastendrittel nicht mehr möglich ist. Insbesondere bei älteren Instrumenten (vor 1940) ist auf das geeignete Tastengewicht zu achten, welches ohnehin durch seitliches Schleifen der Hämmer (nicht am Scheitel) reduziert werden sollte, um in jedem Fall ein „plumpes“, träges Spielgefühl zu vermeiden (infolge „Tastenüberverbleiung“).

10a. Beim Flügel wird die Repetierfeder mittels Federhaken oder Madenschraube (manchmal mit beidem) so eingestellt, dass der Hammer,seinem Gewicht entsprechend,im Bass von sehr langsam bis zu recht zügig im oberen Diskant, aufsteigt, sobald er sich vom Fänger gelöst hat. Dabei ist zu beachten, dass die Spieltiefe schon fast perfekt und der Fang (s. Fangmaß) ebenfalls entsprechend reguliert sein sollte, da sich das Heben des Hammers beim Loslassen der Taste, bei tieferem Fang entsprechend schneller, als bei höherem Fang abspielt – durch stärkeres zusammendrücken des Hebegliedes erhöht sich die Federspannung desselben – daher muss das jeweilige Fangmaß im mehrfachen Wechsel mit der Federspannung, dem Abnicken und dem Nachdruck, sowie der Spieltiefe reguliert werden. Bei älteren Mechaniken kann sich das Heben des Hammers langsamer vollziehen (z.B. durch Reibung der Feder in ihrer Nut u.a.), ohne dass die Repetition beeinträchtigt wird. Voraussetzung hierfür ist die schnellstmögliche Rückkehr der Stoßzunge in ihre zuvor eingestellte Ruhelage. Das Fangmaß sollte bei gleichmäßigem Pianoanschlag, entsprechend der Auslösung im oberen Diskant bei 12-13mm unter der Saite beginnen und dann langsam auf 13-14mm in der Mittellage und 14-16mm im tiefsten Bass, erhöht werden.

10b. In der Klaviermechanik wird die Repetitionsfähigkeit durch die Stoßzungenfeder gewährleistet. Nach dem Regulieren des Fanges, im Wechsel mit der Kontrolle des Tastennachdrucks und der Spieltiefe, wird die Stoßzungenpralleiste mit ca. 2mm Luft zur Stoßzunge, bei kräftig gedrückter Taste eingestellt, um eine bestmögliche Repetition zu erreichen.

11. Nach dem „Einpauken der Maschine“, durch kraftvolles Anschlagen jeder Taste währendessen der Hammer festgehalten wird, muss die Regulierung zwischendurch und am Ende immer wieder kontrolliert werden, um ggfs. alle Einstellungen auf das erforderliche Maß zu bringen. Die Stoßzunge darf beim „Durchpauken“ nicht „durchrutschen“, sollte aber beim Flügel soweit wie möglich nach vorne gestellt werden, um ein übermäßiges „Gnubbeln“, d.h. Reibungsgefühl beim Abnicken, zu vermeiden. Beim Pianissimospiel sollte man keine unnötigen Widerstände überwinden müssen, daher sollten die Stoßzungen und Hammerröllchen mit Graffitpulver und Stiften gleitfähig gemacht werden.

12. Das umfangreiche Thema des optimalen Tasten- Auf- /Abgewichts, kann hier unmöglich geschildert werden, wird aber bei jedem Instrument von mir geprüft und wenn nötig, durch herrausnehmen oder hinzufügen von Bleigewichten, optimiert. In manchen Fällen ist sogar das Versetzen der Piloten oder (meistens) Vorbiegen derselben (beim Klavier) eine sehr gute Lösung, um wenn nötig eine leichtere Spielart zu erlangen – natürlich muss die Steigung entsprechend geändert werden.

13. Am Ende wird die Dämpfung überprüft, indem jede Taste stark angeschlagen wird, ggfs. werden alle Schrauben festgezogen. Wenn nötig werden die Filzkeile, meist im Übergang (3-Chörig), nachgeschnitten, um eventuelle Schleifgeräusche zu vermeiden, ebenso muss das gerade Aufliegen auf der Saite kontrolliert und reguliert werden. Sollte die Dämpfung sich als ungenügend erweisen, so wird u.a. die „Filzhärte“ geprüft und beim Flügel sollte man zunächst die Achsgängigkeit der Dämpferarme kontrollieren, ebenso wie die Garnierung des Dämpferdrahtrechens (Führungsleiste). Danach kann man entscheiden, welche der zahlreichen Arbeitsgänge u.a. Erneuerung des Filzes, notwendig sind, um die gewünschte Dämpfungsfunktion zu erreichen.

13a. Bei älteren Klavieren werden die Federn meistens alle nachgespannt oder erneuert, ebenso wie die Filze, während beim Flügel zusätzlich kleine Bleie in die Dämpferköpfe gesetzt werden können (Durchmesser 4-8mm).

13b. Nun wird das gleichmäßige Abheben der Dämpfung, bei sehr leicht gedrücktem Pedal, durch versetzen des Dämpferdrahtes oder mit der Pilotenschraube, reguliert. Ganz raffinierte Techniker lassen die mittleren Keile etwas eher als den Bass und danach die flachen (möglichst gesteppten) Diskantdämpfer abheben. Dem versierten Spieler ist es nunmehr möglich das Mitschwingen der Saiten, entsprechend seinen klanglichen Vorstellungen, noch feiner zu dosieren; z.B. um die „eifrigen“ Läufe seiner rechten Hand, mit hörbarem Vergnügen, zu „identifizieren“.

13c. Beim Flügel sollte das Ausheben der Dämpfer beim Drücken der Tasten, kurz nach dem halben Gang des Hammers, erfolgen und wird den Möglichkeiten der Mechanik ent- sprechend, mittels Dämpferlöffel oder Papierstreifen, erreicht.

13d. Beim Klavier wird das Ausheben der Dämpfer durch Kröpfen des Dämpferdrahtes oder Dämpferlöffels erreicht, nachdem das gleichmäßige Ausheben, wenn nötig auch im Wechsel mit dem Halbgang, durch Kröpfen des Dämpferdrahtes oder Drehen der Dämpfermadenschraube, erfolgt ist. In seltenen Fällen muss die Dämpfung erheblich vor oder nach dem Halbgang abheben, um die gegebenen Hebelverhältnisse auszugleichen.

14. Am Ende aller Einstellvorgänge der Gesamtregulierung beginnt das „selten gekonnte“ Intonieren des Instruments (siehe Intonation).

VI. Die Werkstatt der Klaviergalerie, eine gute Adresse für scheinbar „schlechte“ Klaviere und Flügel: Das heißt: sehr oft gibt es gute Instrumente, auch unbekannter Hersteller, die ebenso wie berühmte Markeninstrumente, jahrzehntelang, nur alle paar Jahre mal gestimmt wurden; infolgedessen eine Regulation der Mechanik und Intonierung der Hammerköpfe (ggfs. das Abziehen derselben), als unbedingt notwendig erachtet werden muss, um den, dem Instrument angemessenen, schönen Klang, wieder herzustellen, ebenso wie ein gleichmäßiges Spielgefühl.

VII. Ein häufig anzutreffendes Problem bei der Begutachtung, insbesondere von Flügeln, die scheinbar „generalüberholt“ wurden, ist abgesehen von mangelhafter Regulierung und Intonation, das zu „plumpe“ Spielgefühl, bedingt durch zu schwere neue Hammerköpfe, welches durch zuviel Blei in der Vordertaste „ausgeglichen“ wurde. Ein weiteres Phänomen wäre das „Klappergeräusch“, insbesondere beim Loslassen vieler Tasten gleichzeitig, vorallem in höheren Lagen. Zur Behebung o.g. Mängel wird zunächst die Achsgängigkeit der Hebelgliedkapselgarnierung geprüft, um diese ggfs. durch stärke Achsen instandzusetzen. Das „Hebegliedsattelpolster“ sollte ebenfalls in den meisten Fällen durch ein hochwertiges – festes, dickes – gewebtes Tuch ersetzt werden. Außerdem werden die Hammerköpfe seitlich, so weit wie möglich und vertretbar, mit einem Handbandschleifer (und gröbstem Korn) abgeschliffen, ohne die Scheitel zu schmälern. Allein dieser Arbeitsgang dauert mindestens vier Stunden und sollte nur einem sehr erfahrenen, mit dieser Technik vertrautem Fachmann, überlassen werden. Nun können die überflüssigen Bleie aus den Vordertasten entfernt werden, und eine dem Instrument adäquate Regulierung mit anschließender Intonation erfolgen. Nach meiner Erfahrung sind infolge dieser Arbeiten auch anspruchsvolle Pianisten immer wieder auf erfreuliche Weise von den Qualitäten, ihres manchmal schon älteren, Instrumentes überrascht.

VIII. Im Gegensatz zu meiner sehr persönlichen Darstellung, beruhend auf über zwölfjähriger, täglicher Beschäftigung mit der Materie, empfehle ich im Folgenden einige Bücher über Klavierbau: Fachkunde Klavierbau, Ulrich Laible Praktisches Handbuch der Klavierkonstruktion, Klaus Fenner Steinway Service Manual, Max Matthias www.bochinsky-fachbuch.de

IX. Gedanken zum Cembalobau werden folgen, sobald die Zeit nach der Vollendung der beiden zuletzt hergestellten, mir gegeben ist. Beide sind sozusagen „vom Baumstamm an“ in kompletter Eigenherstellung entstanden: Klaviatur mit Ebenholz und Knochenbelag, Springerrechen aus Birnbaum, Stimmstock aus Buchenholz, dampfgebogenee massive Hohlwand (rechte gebogene Zarge), aus einem hochwertigem Pappelholzstamm, Resonanzboden aus feinster Bergfichte (ca. 3mm „dick“), sowie die sonstigen Gehäuseteile aus demselben Fichtenstamm.